SPD Denzlingen ehrt einen kämpferischen Demokraten
Veröffentlicht am 07.12.2025 in Ortsverein
Ehrende und Geehrte (von links:) Martina Fuhrmann, Wolfram Wette, Dietrich Elchlepp (60 Jahre SPD), Björn Reuter, Silvia Reich-Volkert (25 Jahre), Johannes Fechner, Ulrike Maiba-Jehle (10 Jahre) und Magdalene Kirchhoff (10 Jahre). Fotos: Karlheinz Schiedel
Im Rahmen der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Denzlingen im vorweihnachtlich geschmückten Nebenraum des Ristorante Belvedere wurde am Nikolausabend der Vollblutpolitiker Dietrich Elchlepp für 60 Jahre SPD-Mitgliedschaft geehrt. Der in Waldkirch lebende Historiker und Friedensforscher Wolfram Wette würdigte in seiner Laudatio die großen politischen Verdienste seines Freundes und langjährigen Weggefährten, dessen „lebenslängliche und kontinuierliche politische Arbeit in und für die SPD uns allen ein Vorbild sein könne“. „Er war und ist ein politischer Langstreckenläufer“ resümierte Wette. Ihm gebühre der Ehrentitel eines „kämpferischen Demokraten“.
Unsere Geehrten:
Silvia Reich-Volkert
Silvia Reich-Volkert (25 Jahre SPD-Mitgliedschaft) mit Detlef Behnke.
Magdalene Kirchhoff
Magdalene Kirchhoff (10 Jahre SPD-Mitgliedschaft) und Ortsvereinsvorsitzender Björn Reuter.
Ulrike Maiba-Jehle
Ulrike Maiba-Jehle (10 Jahre SPD-Mitgliedschaft) und Björn Reuter.
Irmgard Meiners-Schuth
Irmgard Meiners-Schuth (Mitgliederbeauftragte des SPD-Ortsvereins).
Helga Scheuerpflug
Die ehemalige Mitgliederbeauftragte Helga Scheuerpflug (Mitte) und ihr Ehemann Traugott (links) verlassen nach 35 Jahren Denzlingen und kehren nach Leipzig zurück. Elfriede und Detlef Behnke würdigten ihre Verdienste um die Denzlingen SPD.
Dietrich Elchlepp
Dietrich Elchlepp (60 Jahre SPD-Mitgliedschaft) mit Björn Reuter (bitte unten auf "weiterlesen" klicken.)
Wolfram Wette
Dietrich Elchlepp war Abgeordneter des Europaparlaments, des Bundestags, war Kreis- und Ortsvereinsvorsitzender, Parteitagsdelegierter und nicht zuletzt Initiator einer beachtlichen Reihe gesellschaftlicher und politischer Aktivitäten. Sein zivilgesellschaftliches Engagement weise weit über das Feld der eigenen Partei hinaus.
Die inhaltliche Kontinuität seiner Arbeit für Demokratie, Menschenrechte und Frieden ist frappierend. Aufgeschreckt durch die Gefahr eines Einzugs der rechtsextremistischen NPD in den Bundestag gründete Dietrich Elchlepp zusammen mit Gleichgesinnten 1969 in Freiburg die „Bürgeraktion zum Schutz der Demokratie“, die, so Wolfram Wette, durch ihre Aktivitäten dazu beitrug, dass die NPD unter fünf Prozent blieb, nicht in den Bundestag einzog und damit – rein rechnerisch betrachtet – der Weg frei wurde für die Bildung einer SPD-geführten Bundesregierung unter Bundeskanzler Willy Brandt und Außenminister Walter Scheel (FDP). Drei Jahrzehnte lang war Dietrich Elchlepp – zuletzt als Ministerialrat – im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft tätig. Sein Spezialgebiet berufliche Bildung brachte ihm nach der politischen „Wende“ von 1989/90 ein neues mehrjähriges Betätigungsfeld als Berater in den unabhängig gewordenen mittel- und osteuropäischen Ländern ein. Darüber hinaus war er Mitbegründer des trinationalen „Jugendparlaments am Oberrhein“, für das er sich als überzeugter Europäer bis zum heutigen Tag engagiert.
Aktiv für den Erhalt und die Stabilisierung unserer Demokratie
Das Wiedererstarken rechtsextremer Kräfte riefen ihn 2017 zum erneuten Einsatz für den Erhalt und die Stabilisierung unserer Demokratie auf. Gemeinsam mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern der in Denzlingen gegründeten Bürgerinitiative für Toleranz und Demokratie erkannte Dietrich Elchlepp schon früh, dass die von den demokratischen politischen Parteien verfolgte Taktik einer konsequenten Nichtbeachtung der AfD nicht zielführend sei. Stattdessen setzte die BI mit Flugblättern, Plakaten und Redebeiträgen bei Kundgebungen auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den von den Rechtspopulisten propagierten politischen Zielen. Indes: Der Schlüssel zum Erfolg gegen den Rechtsextremismus dürfte in einer besseren Politik für Frieden und soziale Gerechtigkeit liegen, mahnte Wolfram Wette am Schluss seiner mit großem Beifall aufgenommenen Rede.
„Es ist ein schönes Gefühl hier zu stehen und den Dank für lange Jahre in der ältesten demokratischen Partei Deutschlands entgegenzunehmen“, sagte der Geehrte in seiner Entgegnung. Die Sorge um den Erhalt der jungen Demokratie in Deutschland sei die eigentliche Triebfeder für seinen Eintritt in die SPD gewesen. Die Regelverstöße gegen internationales Recht und Bedrohungen unserer Entscheidungsfreiheiten, die wir nicht nur bei autoritären Staaten, sondern auch bei unseren Freunden im Westen sehen, besorgten ihn sehr. Ebenso, wie viele unserer Mitbürger die jüngste Geschichte und ihre Folgen vergessen haben, wenn sie zu Millionen die Rechtsextremen wählen. Mit ihnen an der Regierung werden nicht nur unsere Arbeitsplätze millionenfach gefährdet sein, sondern auch die persönlichen Freiheitsrechte in einem freien Europa, prognostizierte Dietrich Elchlepp. Dass die Rechtsextremen aus der EU aussteigen wollen, ist für ihn absolut unverständlich. Schließlich sei die Idee der Europäischen Union, das vielleicht Großartigste, was Europa jemals in seiner Geschichte verwirklich habe. An die Stelle von Krieg, Misstrauen und nationaler Konfrontation die friedliche Zusammenarbeit mit gemeinsamen Werten zu stellen, das war und ist eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften unserer Zeit, so Dietrich Elchlepp.
Hart ins Gericht ging er mit der AfD-Chefin Alice Weidel, deren mit verletzender, ausgrenzender Sprache herausgeschriene Fremdenfeindlichkeit sei nicht nur verfassungsfeindlich, sondern auch eine Ursache für die Verrohung der politischen Auseinandersetzung in unserem Land. Seinen Sozialdemokraten riet er, stolz darauf zu sein „wie wir dieses Land nach dem Krieg zu einem fortschrittlichen Land gestaltet haben.“ Und: „Wir Sozialdemokraten müssen unsere Visionen für eine gerechtere Gesellschaft lauter und offensiver kundtun und uns nicht hinter den so genannten Zwängen der Realpolitik verstecken.“
In tiefer Freundschaft verbunden: Dietrich Elchlepp und Wolfram Wette.
Dank an Irmgard Meiners-Schuth und Helga Scheuerpflug
Neben Dietrich Elchlepp wurden auch drei Denzlinger Sozialdemokratinnen für ihre langjährige SPD-Mitgliedschaft geehrt. So konnte der Ortsvereinsvorsitzende Björn Reuter seiner Vorstandskollegin Magdalene Kirchhoff sowie Ulrike Maiba-Jehle für 10 Jahre SPD-Mitgliedschaft eine Urkunde und ein kleines Geschenk überreichen. Und Detlef Behnke, einer seiner Vorgänger, ließ es sich nicht nehmen, Silvia Reich-Volkert persönlich die Urkunde für 25 Jahre SPD-Mitgliedschaft in die Hände zu legen, verbunden mit einigen persönlichen Dankesworten für ihr seitheriges Engagement in der Partei. Besondere Verdienste würdigte auch Elfriede Behnke. Ihr Dank galt Irmgard Meiners-Schuth, die sich seit Jahren unermüdlich und in herausragender Weise in ihrem Amt als Mitgliederbeauftrage engagiert und Helga Scheuerpflug, die dieses wichtige Amt zuvor innehatte und nun, nach 35 Jahren in Denzlingen gemeinsam mit ihrem Ehemann in ihre Heimatstadt Leipzig zurückkehrt.
Björn Reuter wirbt für positive Zukunftsvisionen
Vor den Ehrungen hatte der Ortsvereinsvorsitzende Björn Reuter ein kurzes Resümee der kommunalpolitischen Arbeit der Denzlinger Sozialdemokraten gezogen. Erfreut zeigte er sich über die Eröffnung des Cap-Marktes am Kauftreff in der Alemannenstraße, die Umsetzung einer verbindlichen Ganztagsbetreuung in Partnerschaft mit der AWO-Denzlingen, den Neubau im Bildungszentrum, der die Umsetzung toller Konzepte ermögliche und nicht nur Lehrraum, sondern ein Ort des sozialen Miteinanders sei, sowie über die Fertigstellung einer angemessenen Flüchtlingsunterkunft in der Bahnhofsstraße. Gefördert durch das Investitionsprogramm der Bundesregierung würde der Aufbau eines Nahwärmenetzes in Angriff genommen, auch den Neubau der Turnhalle in der Mühlengasse hoffe man so realisieren zu können. Gleichwohl bezeichnete Reuter die finanzielle Situation der Gemeinde als unbefriedigend, die Stimmung und die wirtschaftliche Situation im Land seien schlecht. Es stünden tiefgreifende Umbrüche an. Hierfür bräuchte es positive Zukunftsvisionen, forderte er.
Auf ans reichgedeckte Büffet.
Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen
Grußworte richteten zudem die SPD-Landtagswahlkandidatin Martina Fuhrmann sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Johannes Fechner an die Denzlinger Genossinnen und Genossen. Fuhrmann lobte die ausgezeichnete Arbeit im Ortsverein: „Ihr seid umtriebig! Da geht was!“. konstatierte sie. Als Beispiel nannte sie die Spontandemonstration am Kohlerhof im Umfeld eines AfD-Wahlkampfauftritts vor einigen Wochen, sowie die auf Initiative von Dietrich Elchlepp realisierte Vorwahlkampfaktion mit aussagekräftigen Plakaten, die im Herbst in Denzlingen aufgestellt wurden. Sie selbst werde bereits am 13. Dezember wieder in Denzlingen präsent sein, das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen und ihnen das neue SPD-Wahlprogramm vorstellen, das Lösungen für die drängenden Probleme in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Wohnen und Pflege anbietet. Johannes Fechner brachte seine Erleichterung zum Ausdruck, dass das bereits im Koalitionsvertrag vereinbarte und nach intensiven Verhandlungen vorgelegte Rentenpaket im Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Für die Gegenstimmen einiger junger Unionsabgeordneter habe er überhaupt kein Verständnis.
Nach so viel großer und kleiner Politik gingen die Genossinnen und Genossen zum gemütlichen Teil des Abends über, labten sich am von Wirt Lino und seinem Team liebevoll hergerichteten Büffet und freuten sich über den Besuch des Nikolauses, der womöglich zum ersten Mal den Weg in eine Versammlung der Denzlinger SPD gefunden hatte. Karlheinz Schiedel
Seltener Gast: Auch der Nikolaus schaute bei der Mitgliederversammlung der Denzlingen SPD vorbei und hatte kleine Geschenke für die Genossinnen und Genossen dabei.
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SPD-MV-Mitgliederversammlung
Es war ein gelungener Abend mit vielen Ehrungen. Besonders die Ehrung für Dietrich Elchlepp aufgunrd sener 60-jährigen SPD-Verbundenheit und Gründung vieler Inteerssengruppen sowie seinem ungebrochenen Demokratieverständnis. Hoffen wir, dass die Berichte in den Medien auch viele noch zögerliche Mitbürger/innen erreicht, damit unsere Gewellschaft das bleibt was sie lange war. eine "Wehrhafte Demokratie in Freiheitund Glechberechtigung" sowie unter dem dem_Deckmantel einer Europischen Einigung, die wir mehr denn je brauchen.