Grußwort zum Festakt: 30 Jahre Alevitische Gemeinde in Deutschland e.V.

Veröffentlicht am 10.05.2019 in Reden/Artikel

Sehr geehrter Herr Özcan, liebe Mitglieder der alevitischen Gemeinde, liebe Festgäste,

vielen Dank für die Einladung zu Ihrem 30-jährigen Bestehen, ich bin sehr gerne gekommen um Ihnen zu gratulieren und mit Ihnen zu feiern. Ich überbringe Ihnen natürlich auch die Grüße meines Fraktionsvorsitzenden Andreas Stoch und meiner ganzen Fraktion.
Denn zum Feiern haben Sie in der Tat einen guten Grund, denn seit 30 Jahren gibt es die alevitische Gemeinde in Deutschland und Sie bilden damit die viertgrösste Religionsgemeinschaft in unserem Land und sind im Sinne unseres GG Artikel 7 Absatz 3 anerkannt.

Hier bei uns in Baden-Württemberg sind Sie ca. 200.000 Mitglieder und mit 40 Kulturzentren im Land kann man sagen, dass sie nicht nur ein gut sichtbarer Teil unserer Gesellschaft sind, sondern auch als gut integriert gelten.

Das sieht man u.a. auch daran, dass Sie, Herr Özcan, aktuell auf Platz 2 der Liste zur Gemeinderatswahl in HN kandidieren, ich drücke Ihnen da auch ganz persönlich die Daumen für ein gutes Ergebnis.

Die Mitglieder der alevitischen Gemeinde engagieren sich nicht nur kommunalpolitisch, sondern auch in Bildungseinrichtungen, in Kultur und Sport.

Ich betone dies auch ganz bewusst, denn die Aleviten leben in einem ständigen Spannungsfeld mit der Türkei und den hier lebenden Türken welche keine Aleviten sind.  Die politische Situation war und ist schwierig, nicht erst seit dem fehlgeschlagenen Putsch vom 16. Juli 2016 gegen Staatspräsident Erdogan fürchten viele Aleviten um ihre Sicherheit. Sie erheben Ihre Stimme laut und deutlich und beziehen Position, das macht Ihnen das Leben sicher nicht einfach, aber Haltung zu zeigen ist in einer Demokratie alternativlos. Aktuell haben Sie erneut mutig mit deutlichen Worten Kritik geübt an der Annullierung der Wahl des Bürgermeisters von Istanbul.

Bleiben Sie hier bitte stark und setzen Sie sich weiterhin für mehr Demokratie in der Türkei ein.

In meiner Vorbereitung für heute Abend habe ich mich intensiver auch mit Ihrem Glauben beschäftigt und obwohl ich einiges bereits wusste, war ich doch am Ende beeindruckt, wieviel wir gemeinsam haben und wie sehr sie sich vom islamischen Glauben unterscheiden, wieviel Toleranz und freiheitliches Denken Sie in Ihren Grundsätzen haben. Ähnlich wie beim christlichen Gottesdienst sitzen die Gläubigen, Männer und Frauen, von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Ihr Glaube basiert auf der Entscheidungs- und Glaubensfreiheit des Menschen. Niemand hat eine Verpflichtung etwas glauben zu müssen.

Es gibt viele Parallelen zum Christentum. Während wir Christen nach den 10 Geboten unser Leben ausrichten, haben Aleviten ganz ähnliche Grundsätze. Der übersetzte Grundsatz, der da lautet

„Beherrsche deine Hände, beherrsche deine Lende, beherrsche deine Zunge“ meint nichts Anderes, als das man nicht stehlen darf, niemandem Leid zufügen soll, nicht die Ehe brechen und nicht lügen oder verleugnen soll. Auch die Nächstenliebe zeigt eine große Parallele zwischen unseren beiden Religionen. Für uns als Politiker ist einer ihrer Grundsätze besonders interessant,

denn bei den Aleviten wird auf Versammlungen so lange diskutiert, bis Konflikte und Probleme überwunden sind und man ein Einvernehmen herstellen konnte. Vielleicht sollten wir Politiker das ebenso halten. Könnte interessant werden, wenn wir in den Plenarsälen der Parlamente so lange sitzen bleiben müssten, bis wir uns alle geeinigt haben.  

Sie üben ihre Religion sehr freiheitlich aus, ohne Zwänge, und stellen sie auch nach außen kaum zur Schau. Besonders herausragend ist, dass sie keinen Absolutheitsanspruch erheben und für Sie alle Religionen den gleichen Stellenwert haben – einschließlich des Atheismus.

Die Aleviten haben außerdem das Ziel, den alevitischen Glauben auch in Lehre, Forschung und Religionsunterricht zu etablieren. Bereits seit 2008 gibt es einen alevitischen Religionsunterricht als reguläres Schulfach. Wie auch der christliche Religionsunterricht findet dieser unter staatlicher Aufsicht auf Deutsch und nach den Grundsätzen der Alevitischen Gemeinde Deutschlands statt. Seit dem Sommersemester 2011 können Pädagogen und Pädagoginnen einen Studienplatz im Erweiterungsstudiengang „Alevitische Religionslehre/Religionspädagogik“ an der Pädagogischen Hochschule Weingarten belegen und sich auf die Unterrichtung der alevitischen Religionslehre an Schulen vorbereiten.

Die Lehre wird dabei vor allem von einem eigenen wissenschaftlichen Dozenten sowie weiteren Lehrbeauftragten vermittelt.

Eine eigene Professur mit dem Fachgebiet alevitische Theologie in Baden-Württemberg gibt es allerdings nicht. Hier wird es vielleicht mal eine länderübergreifende Lösung geben, zu wünschen wäre dies auf jeden Fall.

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre aus meiner Sicht ein Staatsvertrag mit dem Land Baden-Württemberg.

Meine Fraktion hat dazu Anfang des Jahres bei der Landesregierung nachgefragt. Leider wird dort eine Notwendigkeit für den Abschluss eines Vertrages mit der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. nicht gesehen. Staatsverträge gibt es bereits in Hamburg und Bremen und künftig auch in Rheinland-Pfalz, hier wurde der Vertrag am 9.April unterschrieben und zurecht bezeichnen Sie dieses als historisches Ereignis.  Für uns als SPD, auch in den anderen Bundesländern, wie z.B. in Hessen, aber auch hier in Baden-Württemberg, ist der Staatsvertrag eine wichtige Vereinbarung und Basis der gesellschaftlichen Zusammenarbeit und religionsrechtlichen Integration der Aleviten. Und damit auch ein Weg, der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung und Segregation entgegen zu wirken. Wichtige Themen, wie alevitische Bestattungen, religiöse Feiertage, Krankenhaus- Hospiz und Gefängnisseelsorge könnten hier verbindlich geregelt werden.

Das Motto der heutigen Veranstaltung „Einheit in Vielfalt“ zeigt ihre Bemühung für einen aktiven Beitrag zum interkulturellen und interreligiösen Zusammenleben in unserem Land. Das dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind, kann man auf Ihrer Internetseite nachlesen. Dort findet man viele Projekte deren Zielrichtung

Integration aber auch Demokratie und Toleranz sind.

Besonders markant springen dem Besucher der Website 2 Zahlen ins Gesicht. In roter Schrift steht dort 700.000 Aleviten leben in Deutschland und dahinter findet man: 100% integriert. Deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass sie Teil unserer Gesellschaft, ja unserer Demokratie sind und das ohne Aufgabe Ihrer Kultur und Ihrer Religion.

Denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und verschiedenen Religionen - das nennt man Vielfalt und ist auch Ausdruck einer toleranten Gesellschaft für die das längst eine Selbstverständlichkeit ist.

Dazu passt ganz wunderbar auch ein Zitat, welches ich auf Ihrer Website gefunden habe.

Es lautet : „Eins ist der Weg, mit tausendundeiner Art, ihn zu begehen.“

Ein wunderbarer Satz, der zum Ausdruck bringt, dass wir alle auf demselben Weg sind und uns Vielfalt, Toleranz, Respekt und Achtung dabei begleiten.

 
 

Homepage Sabine Wölfle MdL

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