Cannabis – ein in der Tat komplexes Thema

Veröffentlicht am 25.07.2022 in Bundespolitik
Diskutierten engagiert das Für und Wider einer (eingeschränkten) Cannabis-Legalisierung (von links):  Dr. Johannes Fechner, Florian Doppler, Dr. Bela Szabo, Manuel Wiegert, Mario Chiriatti und Moderator Manfred Klimanski. Fotos: SPD Denzlingen 

Dem Vorhaben der Bundesregierung, den Anbau, Handel und Gebrauch von Cannabis in gewissem Umfang zu legalisieren, den Risiken und Chancen sowie dem gesellschaftlichen Nutzen versuchte die Diskussion „Cannabis entkriminalisieren – mit Augenmaß“ auf den Grund zu gehen. In der überraschend gut besuchten Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Denzlingen am Mittwoch, 20. Juli 2022 im kleinen Saal des Kultur- und Bürgerhauses begrüßte die stellvertretende Vorsitzende Ana Agatiev ein neugieriges, aufgeschlossenes Publikum und ein kompetent besetztes Podium.

Dr. Johannes Fechner, MdB und Kreisvorsitzender der SPD Emmendingen, berichtete über den Stand der Diskussion in Regierung und Parlament und über die Inhalte der Reform, die auf gar keinen Fall eine allgemeine Freigabe von Cannabis bedeute, wie er betonte, sondern voraussichtlich eine kontrollierte Abgabe an Personen über 18 Jahre in lizensierten Geschäften.

Florian Doppler, Kriminalpolizeidirektion Freiburg, referierte aus der Kriminalstatistik, insbesondere die bekannten Straftaten innerhalb der einzelnen Rauschgifte. Dabei läge Cannabis mit weitem Abstand an der Spitze vor Kokain, Heroin und anderen. Verblüffend erschien die Aussage, dass durch eine kontrollierte Abgabe in der vorgesehenen Art nur ein verhältnismäßig kleiner Anteil an diesen Straftaten wegfielen. Er wies daraufhin, dass in den letzten Jahren Cannabis mit einem immer höheren THC-Gehalt auf den Markt komme, was die Gefahr eines weiter existierenden Schwarzmarktes nach einer Legalisierung mit geringem THC-Wert mit sich brächte.

Dr. Bela Szabo, Professor für Toxikologie und Pharmakologie an der Universität Freiburg und Facharzt, erläuterte anhand einer Reihe von Schaubildern seine Forschungen zu medizinisch relevanten Strukturen der Cannabispflanze und deren Teile. Diese haben unter anderem ergeben, dass Cannabis bei einer gewollten Wirkung in einer Hirnregion mehrere, ungewollte Nebenwirkungen in anderen Hirnregionen auslösen. Dies geschähe auch bei Einsatz von Cannabis als Medikament. Die Inhalation eines Drittels der täglich erlaubten Höchstdosis könne psychotische Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen auslösen.   

Manuel Wiegert, Deutscher Hanfverband Freiburg belegte seine These, dass „Hanf kein Verbrechen sei“, mit einem engagierten Vortrag über die tägliche Diskriminierung insbesondere junger Menschen wegen Kaufs, Besitzes und Gebrauchs von Cannabis. Er bemängelte, dass viel zu wenig bis gar nicht über das Rauschmittel geredet wird, sodass kein Bewusstsein für den ruhigen und richtigen Gebrauch des längst etablierten, wenn auch verbotenen Genussmittels entstehen konnte und kann. Er vermisse einen Umgang wie mit Alkohol, der dieses Rauschmittel zwar als gefährdend darstelle, aber sowohl den Genuss als auch den Missbrauch ermögliche. Er wies daraufhin, dass für Alkohol im Verkehr eine klare und begründete Grenze vorhanden sei, für Cannabis sei diese Grenze jedoch willkürlich und viel zu niedrig angesetzt. Verblüffend war in diesem Zusammenhang, dass einige Diskussionsteilnehmer sich durchaus für Nullprozent bei Alkohol wie bei Cannabis im Verkehr aussprachen.   

Sehr gut besucht war die SPD-Diskussionsveranstaltung zum Thema Cannabis im Denzlingen Kultur- und Bürgerhaus

Marco Chiriatti, Jugend- und Drogenberatung im Landkreis, wies auf seine täglichen Erfahrungen mit Drogenabhängigkeiten, auch mit denen aus dem Cannabisgebrauch hin. Ohne relativieren zu wollen, stellte er einen Kontext zum Alkoholmissbrauch her. Ein kurzer Test mit dem Publikum zeigte eine regelmäßige, wenn auch überwiegend mäßige Nutzung des Rauschmittels Alkohol auf. Der Sozialpädagoge verwies mehrfach auf die Gefahren von Cannabis, die er täglich erlebe, zum Beispiel schizophren junge Erwachsene nach Drogenmissbrauch. Sein Arbeitgeber, die Erzdiözese Freiburg, sehe deshalb eine Altersgrenze für die kontrollierte Abgabe bei 21 Jahren.

In der überaus engagierten, lebendigen Diskussion, durch die der Pressesprecher der Denzlinger SPD, Manfred Klimanski, unaufgeregt führte, wurde von Wiegert die Grenze von 18 Jahren, die derzeit im Raum steht, als angemessen bezeichnet, wiewohl er sich eine einfachere Freigabe wünschen würde, wie er sagte. Ein legalisierter Anbau von Cannabis und eine liberalere Handhabung des Handels würde vieles aus der vorgesehenen Reform herausnehmen, was weiterhin zu Kontrollen und zu illegalem Handel führe. Das konnte Fechner nicht in Aussicht stellen. Eine quasi völlige Freigabe wäre nicht durchsetzbar, aus seiner Sicht aber auch nicht wünschenswert. Szabo wiederum begründete seine gewünschte Altersgrenze mit sogar 25 Jahren mit der dann nicht mehr ganz so hohen, gefährlichen Konzentration der Rezeptoren im Körper, die für die Nebenwirkungen verantwortlich seien. Neben der Altersgrenze wurde aus dem Publikum auch die Frage nach dem THC-Gehalt aufgegriffen. Aus eigener Erfahrung solle der nicht über 15 liegen, stellte ein Betroffener fest. Allgemein wurde der Wunsch nach einer Folgeveranstaltung geäußert, diesmal mit Psychologen und Sozialarbeitern als Referent:innen.

Nach etwas mehr als zwei Stunden intensiver, ertragreicher Beiträge schloss das Vorstandsmitglied der Denzlinger SPD, Walter Schuler, mit Dankesworten an die Referenten und an das gut aufgelegte Publikum die Veranstaltung.   

 

 
 

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