„Konsolidierung mit Augenmaß“

Veröffentlicht am 25.02.2026 in Gemeinderatsfraktion
Björn Reuter

In der Haushaltsrede 2026, die Björn Reuter bei der Sitzung des Denzlinger Gemeinderates am 24. Februar für die SPD-Fraktion hielt, warnte der SPD-Gemeinderat und Ortsvereinsvorsitzende angesichts der schwierigen Haushaltslage vor einem Kahlschlag bei den freiwilligen Leistungen der Gemeinde. Angesichts der strukturellen Unterfinanzierung der Kommunen müsse es unser Ziel sein, die Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde zu sichern, ohne das soziale Fundament zu beschädigen.
Hier die Haushaltsrede im Vorlaut:
 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Nitz,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir beraten heute einen Haushalt, der niemandem so rechte Freude macht und mit einem strukturellen Defizit von rund elf Millionen Euro eine ernsthafte Herausforderung für unsere Gemeinde darstellt. Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit aber auch: Es ist gelungen, das ursprünglich noch höhere Defizit spürbar zu reduzieren, etwa zur Hälfte durch Einsparungen, zur Hälfte durch Mehreinnahmen. An dieser Stelle ein großer Dank an den Kämmerer und sein Team. Das ist kein „Weiter so“, sondern Konsolidierung mit Augenmaß.
 

Wir gehen zentrale Entwicklungsprojekte an: Das Gewerbegebiet Langacker/ Weidenacker wird erschlossen. Die Energieinfrastruktur wird weiter aus- und umgebaut, Stichwort Nahwärmenetz. Beim Wohngebiet Käppelematten beginnt in Kürze die Erschließung. Wir als SPD plädieren hier unverändert für einen starken gemeindeeigenen Wohnungsbau, damit auch Normalverdienende in Denzlingen eine Heimat finden. Noch dringend einer Klärung bedarf die Zukunft des Mauracher Hofs, unseres Höfles. Insgesamt können wir aber festhalten, trotz des großen Lochs in der Kasse behalten wir die Zukunft im Blick.

Räume für junge Menschen gehen verloren

Und genau hier beginnt die politische Verantwortung des Gemeinderates. Für uns als SPD-Fraktion ist klar: Haushaltskonsolidierung darf nicht bedeuten, funktionierende Strukturen wie zum Beispiel die AIV abzureißen. Sie darf nicht dazu führen, dass soziale Infrastruktur schleichend verschwindet.
Der Jugendbandprobenraum im Keller der Otto-Raupp-Schule musste einer notwendigen Mensa weichen – richtig für die Ganztagsbetreuung, aber ohne Ersatzlösung für die Jugendlichen.
Was passiert mit dem Jugendzentrum (Juze) in der alten Turnhalle Mühlengasse? Wenn die Turnhalle abgerissen wird, gibt es bislang keine gesicherte Alternative. Hier erwarten wir eine verbindliche Perspektive – gemeinsam mit dem Juze.
Auch beim sogenannten „Zukunftskonzept Spielplätze“ und beim Skateplatz gilt: Bedarf entsteht nicht nur durch Nachfrage, sondern auch durch Qualität. Wenn Anlagen über Jahre vernachlässigt werden, darf man sich über geringe Nutzung nicht wundern – und diese dann nicht als Begründung für mangelnden Bedarf heranziehen. Es spricht nichts grundsätzlich gegen eine Neujustierung. Aber die meisten der Denzlinger Spielplätze entstanden in den 70er und 80er Jahren. Was damals – bei 10.000 Einwohnern – als angemessen galt, soll bei 14.000 plötzlich entbehrlich sein?
All diese Entscheidungen mögen einzeln nachvollziehbar sein, in der Summe entsteht jedoch ein Muster: Räume für junge Menschen gehen verloren. Diese sind aber kein Luxus. Sie sind Prävention, Integration und Teil unseres sozialen Fundaments. Wer hier Lücken entstehen lässt, spart vielleicht kurzfristig Unterhaltskosten – aber nicht langfristig soziale Probleme.

Weitblick bei der Schulentwicklung nötig

Ein weiterer Punkt betrifft die Schulentwicklung. Unsere Grundschule Hauptstraße platzt aus allen Nähten. Funktionsräume wurden zu Klassenzimmern umgewidmet, der Musikunterricht in den Roccasaal ausgelagert. Die geplante Integration der bisherigen Turnhalle Mühlengasse mag flächensparend und fördertechnisch sinnvoll sein. Doch wir müssen uns ehrlich fragen: Verbauen wir uns damit die Möglichkeit, die Schule künftig weiterzuentwickeln?
Dass es anders geht, zeigt der Neubau der Ruth-Cohn-Schule. Dort hat der GVV investiert – mutig, klar, zukunftsorientiert. Das war teuer. Aber es war eine Entscheidung mit Weitblick. Und genau diesen Maßstab sollten wir an alle großen Infrastrukturentscheidungen anlegen.

Wir kommen als Gemeinderat um Entscheidungen nicht herum. Einnahmen sind kein Tabu, Standards können überprüft werden. Aber Kahlschlag bei freiwilligen Leistungen wäre keine nachhaltige Lösung. In der Haushaltsvorlage heißt es, eine bloße Verrechnung von Fehlbeträgen ohne strukturelles Konzept wäre eine „bedingungslose Kapitulation vor der Realität“. Wir finden, Kapitulation wäre es, sich aus finanziellen Gründen auf Lösungen festzulegen, die wir in wenigen Jahren bereuen.

Solange die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen anhält, muss unser Ziel sein, die Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde zu sichern, ohne das soziale Fundament zu beschädigen. Verantwortung heißt, Lasten fair zu verteilen, Prioritäten offen zu benennen und Entscheidungen so zu treffen, dass sie langfristig tragen.

Zeigen, wofür wir stehen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Herr Bürgermeister Nitz, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, der Haushalt 2026 ist kein einfacher Haushalt und 2027 wird es auch nicht werden. Aber beide sind eine Chance, klar zu zeigen, wofür wir stehen.
Für finanzielle Vernunft, für soziale Balance und für eine Weiterentwicklung Denzlingens, die auch morgen noch Bestand hat.
Vielen Dank.
 

 

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